India 2016
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India Diary 09 | Taj Mahal | Ein Manifest der Liebe

Der Klassiker.

CHU-chu-chu-chu, CHU-chu-chu-chu, CHU-chu-chu-chu…. Hmmmmmmm
Es dämmert- Reisfelder- Wasserbüffel-Männer in Dothis auf Fahrrädern – Baracken- Reisfelder- Maisfelder… Ich genieße die Morgenruhe.
05:45 wecke ich die Jungs zum ersten Mal. Neo, kaum die Augen auf, noch halb im Traum: „Darf ich Chips?“ Ja darf er:)
Um 6:15 sollen wir in Agra ankommen und wollen direkt ins Taj Mahal. Die nette Manchesterin von nebenan ( Reiseprofi ) weiß von den Koreanern neben ihr( GPS ), dass wir erst die Hälfte der Strecke seit Varanasi hinter uns gebracht haben!!!! O neeee, warum hab ich die Jungs geweckt?!
Glenn und ich schlafen wieder, Remo und Neo spielen:). Eh sooooo cool, wie die ohne Handy und ohne Spielzeug miteinander spielen. Jeder mit jedem. Neo erfindet ganz viele Geschichten und singt übrigens gerne selbst gedichtete Lieder und tanzt dazu. Glenn muss sich dann manchmal ein bisschen schämen . Bin jetzt ausgeschlafen und lese ganz viel Shantaram vor.
Mein Handy hat noch so viel Guthaben, dass ich dem Fahrer, der uns abholt, gerade noch Bescheid sagen kann, dass wir ungefähr 6 Stunden Verspätung haben. Gehen wir dann noch ins Taj? Oder nehmen wir uns ein Hotel und fahren morgen erst nach Barathpur? Oder?….Werden wir sehen, wenn wir da sind…..und ich muss die Internetfunktion, die ständig mein Guthaben frisst, rausmachen lassen…
Die Manchesterin sagt, wir sind fast da- es ist kurz vor 12:00 und wir sammeln eilig unsere Sachen zusammen und verlassen den Zug. Da steht einer mit meinem Namen auf einem Schild vor unserem Abteil! Yeah! Wer sagts denn! Neo fragt mich, während wir uns durch den vollen Bahnhof mittags unseren Weg nach draußen bahnen: „Warum müssen wir denn in Indien sein? Warum können wir nicht in Deutschland bleiben?“ Berechtigte Frage:) Die Antwort bekommt er erst im klimatisierten Auto: “ Weil ich gerne  mit euch reise. Nicht immer gefällt euch, was wir machen, aber ihr lernt viel. Z.B auch, warum euch etwas nich gefällt! Ich bin aber sicher, dass es auch vieles gibt, an dass ihr euch gerne erinnern werdet. Und jetzt komm mal her. Ich pass auf dich auf. “
Unser etwas eitler, g´schaftliger Guide bringt uns zu einem klimatisierten Auto mit Fahrer, nimmt uns aber freiwillig kein Gepäckstück ab und wir lassen uns erst mal in ein Restaurant fahren. Der Fahrer ist nett und wird uns heute Abend nach Barathpur fahren haben wir beschlossen. Der Guide verschwindet. Super! Wir sind satt, haben Hände gewaschen, uns zum Teil umgezogen und können unser Gepäck im Wagen lassen, laden die Simkarten in ´nem Simkartenladen ( immer so geile Baracken am Straßenrand) auf und lassen das Internet entfernen und fahren zum Taj Mahal.
Ich machs ganz kurz: Wir fanden es doof da. Klar – schön, dass wir es gesehen haben. Am beeindruckendsten ist für mich der erste Blick darauf, wenn man durch das große rote Sandsteintor geht. Dann sieht es noch aus wie eine Fatamorgana – unwirklich – ein Luftschloss-  wie einem Traum entsprungen.
Es hat bestimmt auch damit zu tun, dass es in der Mittagshitze war und nicht, wie geplant zu Sonnenaufgang…Aber das Ganze ist mega schlecht organisiert. Teure Tickets kaufen ist woanders als Audioguides kaufen, woanders als schlechte Audioguides holen, woanders als Securitycheck, woanders als Schuhüberzieher holen und Wasser kaufen…. Dann ist es leider wie so oft bei für Touristen obligatorischen Zielen in solchen Ländern: Zum einen hast du Nepper,Schlepper, Bauernfänger, die alle gleichzeitig auf einen einreden und zum anderen wissen die zuständigen Behörden, dass die Menschen eh kommen werden und man es deshalb nicht besonders nett machen muss.  Irgendwie fehlt dem Platz jegliche Seele. Es ist hohl und abweisend. Wir wollten eigentlich wegen des wechselnden Lichts bis zur Abenddämmerung bleiben, aber man kann auf dem Gelände nicht mal Wasser kaufen! Bei 35 Grad! Man müsste raus und sich wieder beim Security-check anstellen. Wie machen ein Foto und sind nach 2 Stunden wieder draußen 🙂 Kulturbanausen- und lassen uns nach Barathpur fahren.
Es fängt an zu regnen – immer heftiger- was die knapp 2 stündige Fahrt über Land total aufregend macht. Wie durchqueren Seen:) ,Schweine und Wasserbüffel liegen wie Nilpferde kaum zu sehen in Tümpeln am Straßenrand. Wir machen an der Grenze zwischen Uttar Pradesh und Rajasthan eine kurze Chai-Break. Kaufen Samosas, über glühender Kohle angekokelte, mit Salz und Limette eingeriebene Maiskolben und Kokosnüsse am Straßenrand und setzen die wilde Fahrt fort. Viele Lehm – und Strohhütten auf den Feldern und Händler, die ihre Waren eilig unter Planen vor der Dusche schützen und zusammengedrängt vor Tante Emma- Hütten abwarten. Jemand müsste mal diese ganzen geilen alten komplett rotten Friseurstühle, die es hier noch überall gibt, wieder aufpeppeln.
Um halbsieben sind wir in unserem echt hübschen ( leider teurer als gedacht ) Hotel. „Bestimmt das schönste Zimmer auf unserer Reise.“ Sagt Glenn. 🙂 Er weiß nicht, dass das der Plan ist. Es wird immer noch ein bisschen palastiger. Wunderschöner Garten! Bisschen Marigold Hotel.
Als wir eingecheckt sind, kommt gerade ein sehr nettes holländisches Pärchen von Vogelsafari zurück. Ich bestelle 3 Gin and Tonics und Coke und wir sitzen ganz gepflegt vor unseren Zimmern , trinken aus Kristallgläsern mit Eiscooler und Limetten, wie sich das gehört den ersten Apero unserer Reise, hören den Pfauen beim Schreien zu, Neo fängt Babyfrösche und wir tauschen Erfahrungen aus. Abendessen im Hotel- ganz ok – sie haben einen Tandoor-Ofen- immer gut. Noch wildes Bollywood inspiriertes Showkämpfen mit passender Kopfbedeckung im Zimmer, Shantaram, schlaaafen. Morgen easy…..

Musst´ich fotografieren! Zahnbürste neben Halbautomatischer.

Musst ´ich fotografieren! Zahnbürste neben Halbautomatischer.

Chai whalla kommt durch den Zug...

Chai whalla kommt durch den Zug…

Chai Im Zug. Gott sei Dank haben wir noch genug Wasser und Kekse!

Chai Im Zug. Gott sei Dank haben wir noch genug Wasser und Kekse!

Im Vorhof zum Taj Mahal. Mag die Perspektive!

Im Vorhof zum Taj Mahal. Mag die Perspektive!

Rechte Seite Des Taj Mahal. Wir stehen in einem auf der Seite offenen , hohen, roten Gebäude, in dem es nach (Männer-)urin stinkt, nicht nach Fledermaus. Ich kann das unterscheiden!!!

Rechte Seite Des Taj Mahal. Wir stehen in einem auf drei Seiten offenen , hohen, roten Gebäude, in dem es nach (Männer-)urin stinkt, nicht nach Fledermaus. Ich kann das unterscheiden!!!

Eines meiner Lieblingsbilder, weil man sieht, wie heiß und unmutig wir sind.

Liebe dieses Bild! Weil man sieht, wie genervt und heiß wir sind, finde ich.

Der Klassiker.

Der Klassiker.

Unser Drinks-Platz-Blick aus unserer Zimmertür.

Unser Drinks-Platz-Blick aus unserer Zimmertür.

Von „Marigold Hotel “ aus gesendet

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