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India Diary 04 | Good bye Delhi | Magisches Varanasi

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Gestern Abend habe ich vorgelesen, dass der kleine indische Guide in „Shantaram“ seinem „Herrn“ einen Namen gibt, den er für eine Super Idee hält, seinen „Herrn“ aber in Grund und Boden versinken lässt. Er nennt ihn „Linbaba“, was auf Hindi klingt wie PenisMann. Um zu beweisen was das für eine gute Idee ist, läuft er durch die Straßen, ruft „Linbaba“ und zeigt auf die freundlichen Reaktionen. Später mehr dazu…

Gut geschlafen. Ausgeruht. Remo erkältet, aber alles locker und es geht ihm gut, sagt er. Ich hab Bauchweh/ meine Tage, was mich immer mau macht.  Glenn hat sich, wie ich die letzen Tage, gestern Abend übergessen. Er schafft nicht mal ein halbes Omlett zum Frühstück. Er lacht viel:), bindet sich einen Turban und tanzt vor dem Spiegel und redet „indisch“ . Ushi, unsere Gastgeberin habe ich heute morgen von Glenn erzählt und sie macht Fern-Reiki mit ihm sagt sie, „so he can settle in better“. Sie ist auch sehr berührt von dem was in Gurgaon passiert. Gurgaon, Gurgaon- klingt doch wir Mordor….

Yudhi, der Ticketmann kommt um 11:00, gibt uns 2 funktionierende Simkarten (Yes!!!) und  wir unternehmen eine weitere Reise um das Ticketgeld zu überweisen zum Connaught Place. Im „World Trade Center“ , in dem die Leitungen außen verlegt sind und es stark nach Urin riecht ( Glenn: “ Was heißt eigentlich World Trade Center?“ Worauf eine sehr lustige Unterhaltung folgt – nach dem Motto “ Andere Länder- andere WorldTradeCenter“) finden Yudhi, Glenn und ich ( Remo und Neo wollen bei Naegi im Auto bleiben und Kekse mit Vögeln teilen) im Untergeschoss einen ( natürlich ) fensterlosen Raum, in dem 15 Arbeiter nebeneinander an 80 cm breiten Schreibtischunterteilungen vor je einem Laptop, je 3 Telefonen, 2 Taschenrechnern und – je nach Glaube und Guru – unterschiedlichen Devotionalien sitzen; einer unter einem kaputten und deshalb stroboskopartig flackerndem Strahler. Er scheint es nicht mal zu registrieren…..Eine „Consultend Service Agency“….Moooordooooooor!

Nach 20 min sagen sie, die Überweisung ist getätigt. Als wir die Höhle verlassen, habe ich das Gefühl,  ich hätte verantwortungsvoller mit meinen Creditkarten Daten umgehen können/sollen, entscheide mich aber , Yudhi und seinen Leuten zu vertrauen.

Als wir wieder zu Remo und Neo stoßen, ruft Neo fröhlich allen Krähen und wartenden Fahrern „Linbaba“ zu und lässt sich ( natürlich) nicht bremsen. Glenn muss fast Tränen lachen.

Wir haben noch genug Zeit, Avnish ’s Rat zu folgen und zu Marks&Spencer! zu gehen, wo wir tatsächlich 2 wunderschöne dunkelblaue Leinen-Hemden mit Stehkragen für Glenn erstehen. Er sieht jetzt aus wie ein Weltreisender. Gross, selbstsicher und suverän. Ob das nur am Hemd liegt? Ushi?

Im Master öffnen wir noch unser doggibag von gesternabend auf der Dachterasse , schultern unsere Rucksäcke, kaufen Wasser und laufen durch all die Schulkinder zum Auto, dass uns zum Flughafen bringt. Hab ich erwähnt, dass wir inklusive unserer 5 dicken Bücher und der vollen Apotheke mit 28 kg unterwegs sind? Ich meine, ich kann großes Gepäck, wie ihr wisst:) , aber als Tochter meiner Mutter bin ich schon auch stolz, 4 Wochen mit „Handgepäck“ zu machen.

Leider müssen wir nach Varanasi FLIEGEN, da es keine Zugtickets mehr für uns gab. Nur dieses eine Mal, alle anderen Strecken gehen dann über Land.

Kurz vor dem Flughafen passiert, was immer irgendwann passiert: „Welcher Flughafen ist das?“ frage ich den Fahrer und er hat uns zum international airport gefahren, was ihm der „manager“ vom Master gesagt hat, warum auch immer. Heute morgen haben die wunderbare Ushi und ich noch zusammen nachgesehen und „1D domestic“ war eindeutig unser Ziel. Es ist bereits 1 Stunde vor Abflug, 1 Std. 30 vorher sollten wir da sein und der domestic Airport ist 5 km voll indischem Verkehr weit weg:) To make a long story short: Wir sitzen im Flieger. Und sind nicht mal sonderlich verschwitzt und waren auch noch auf dem Flughafenklo und , o.k., sind als letzte in den Flieger:). Alle super hilfsbereit. Wir WURDEN vorgedrängelt, müssten das nicht mal selber tun!

Was mich zu einem kleinen Diskurs über indische „Manieren“ bringt. Schon auf dem Flughafen in Delhi ist mir aufgefallen, dass der gemeine Inder drängelt.  Beim ersten Mal hält man es noch für einen Einzelfall, der zweite Drängler muss vielleicht aufs Klo oder ist spät dran für seinen Anschlussflug, aber spätestens wenn man sich an einem Counter unterhält und ein anderer sich von hinten dazwischen schiebt und in Seelenruhe sein Anliegen vorbringt, denke ich „Moment mal“ und sage:“Excuse me, i am talking here. Is it urgent?“ Worauf er sich , als wär nix gewesen mit dem typisch indischen Kopfwiegen wieder hinter mich stellt. Anderes Beispiel: Ein junges Pärchen, fröhlich lachend , schiebt sich im Mittelgang des Fliegers! an uns und allen anderen vorbei um sich 3 Reihen weiter zu setzen, was mich ehrlich gesagt lachen lässt, weil es so absurd ist. Ich glaube, es ist folgendermaßen: Weil so viele sich seid dem „Verfall der Kasten“ (zumindest bestimmt die Kaste nicht mehr zwingend deinen Lebensstandart) mit viel bewundernswerter Ellbogenkraft in ein besseres Leben gekämpft haben, ist es komplett gesellschaftsfähig sich vorzudrängeln. Auch „bitte“ und „danke“ gehört nicht unbedingt zum Standart. Aber keiner verhält sich so, weil er mürrisch oder unfreundlich ist, sondern es ist einfach so. Man muss es nur wissen, wenn man sich z.b. für ein Metroticket anstellt. Weiss man es nicht, wird man nie – und ich meine wirklich NIE -an die erste Stelle der Schlange kommen:)

Varanasi – oder „Ach du heilige Scheisse“ ( Glenn ) , das wird glaube ich unser Motto die nächsten Tage.

Sehr guten Fahrer am Flughafen gefunden, richtiger Preis und sonst keine Ahnung, wie lange es dauert oder in welche Richtung wir fahren. Es ist fast 18:00 Uhr als wir losfahren. Überall geschäftiges Treiben auf der Straße in der Abendstimmung. Rural und bunt. Überall Kühe auf der Straße und Wasserbüffel, grüne Reisfelder, Ziegen, Hunde , Esel, Hühner, Schweine schwarz und rosa und wir auch schon in Delhi, aber hier mehr, orange angezogene , barfüßige Männer die so schmuckgebilde über der Schulter an der Straße entlangtragen und auf dem Weg zum Shiva-Tempel sind, der die Tage irgend ein Fest feiert.

Ich bin angekommen, würd ich sagen. Hier gefällt es mir schon bei der Anfahrt außerordentlich gut. Die Straße durchgängig gesäumt mit winzigen Läden. Alles puppenstubenhaft klein, bunt , gewachsen und Lichterketten überall, die blinken – ohhhhh! Das nennt man glaube ich „sozialromantik“.

Der Smok/Rauch/Staub ist so heftig, dass man kaum 200 Meter weit sieht und wir gerne durch Tücher und Masken atmen. Nach einer Stunde kommt die Frage auf, wie weit der Flughafen eigentlich weg ist. Wir fragen nicht. Bobi, unser Fahrer, erzählt, wir fahren jetzt über den kleineren Fluss, der Vara von Nasi trennt. Wie in Idar-Oberstein. Früher hieß es Kashi, unter den Briten Benares und seitdem die weg sind, Varanasi.

Vor ein paar Tagen habe ich mal im Taxi erzählt, dass Delhi übrigens die „hässlichste“ Stadt auf unserer Reise sein wird. Ab jetzt werde es viel schöner, aber auch schmutziger und wilder. Remo schaut aus dem Autofenster in die mittlerweile dunkle Strassenscenerie und sagt: „Ich weiß genau was du meintest mit schöner aber hässlicher- ne, nicht hässlicher- wilder.“ Nach 1 1/2 Stunden parkt Bobi, nimmt meinen Rucksack und wir gehen zu Fuß weiter. :)))))))) Es ist soooo toll hier!!! Als er die Stufen zu einem alten kleinen Palast direkt am Flussufer hinaufgeht, ist gerade „Puja“,Abendgottesdienst, mit Gesang und Rauchschwenkern und Waschung und so an „unserem“ Gath. So heißen die von Villen, Tempeln und Palästen aus dem 17. und 18. Jh gesäumten Flussufer Varanasis, die mit einer Reihe steinerner Treppen, Ghats, deren Stufen in den Ganges führen, versehen sind….das hat natürlich alles einen Namen- konnte ich mir aber alles nicht merken- morgen mehr.

Unser Zimmer ist schön, das ganze Haus ist der Wahnsinn, „Das Klo ist voll sauber, Mami!“ ( Neo ), „Das ist glaube ich das schönste Hotel und der schönste Platz auf der ganzen Reise!“ ( Glenn ).

Wir bleiben zum Essen hier. Drei Familien, eine aus China, eine aus England essen mit uns gemeinsam. Kein Fleisch, kein Alkohol, wie überall hier, aber keine Zwiebel, kein Knoblauch?! – egal, trotzdem saugut, das Warum kläre ich morgen. Die Kinder spielen vor dem Zimmer mit Blick auf den Fluss, wenns nicht so duster wäre, selig UNO und ich liege auf dem Bett. Ich habe mir einen Eimer neben das Bett gestellt, weil mir zum Kotzen zu mute ist. Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht aus den in Varanasi nahe liegenden Gründen, sondern aus den Lara-Maßlosigkeit naheliegenden Gründen. Der letzte volle Teller war einfach zu viel des Guten. Auf euren diversen Ajurveda-Kur-Berichten kommt das doch immer vor, wie wenig man von diesem köstlichen Essen braucht, um satt zu sein und dann berichten immer alle, wie viel Gewicht sie verloren haben….Das muss ich echt üben – herrje!

Bye, bye Connaught Place

Bye, bye Connaught Place

Bye, bye wunderschöne Dachterrasse under construction

Bye, bye wunderschöne Dachterrasse under construction

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Schule aus, Mamas, die abholen, Eis- und Snackverkäufer, Schulbüschen in die 12 Schüler passen und deren Ranzen obendrauf! Fahrrad- und Motorrikshaws voll mit uniformierten Kleinen….

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Kleine Anekdote: Glenn fragt gestern: „Wann hupt man eigentlich?“ Ich: „Hupen heißt ICH KOMME, ICH SCHIEB MICH DAZWISCHEN, ICH ÜBERHOLE, AUS DEM WEG! ICH HAB DICH GESEHEN, MICH GIBTS NOCH- ALSO IMMER.“ heute fragt er in Bezug auf diesen Laster: „Was heißt eigentlich HORN und PLEAS?“ Ich weise auf unsere gestrige Unterhaltung hin und er sagt: “ Achso, ich hab gedacht, da sind irgendwie die Kühe mit den Hörnern drin!“ :))))

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Geschafft!!!!! Und zwar lässig!

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Abend Puja auf dem Assi Ghat vor unserem Hotel Ganges View

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Dinnertable im wunderbaren Ganges View Hotel. Eine der besten vegetarischen Küchen der Stadt.

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Das UNO wurde gegen Backgammon ausgetauscht – mir ist noch immer bräsig/ übel/ was weiß ich

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Schau, wie hübsch! Mit altem Spiegel im Bettkopf.

Von meinem Lager aus gesendet

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